Stele Gampenhof

Gampenhof (1570)

Der Gampenhof war lange Zeit politischer und gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gesamtgemeinde Ruschweiler. Hier führte eine viel befahrene Landstraße von Ostrach über Heiligenberg nach Salmannsweiler (Kloster Salem) vorbei und kreuzte sich mit dem Müllweg (Mühlweg), auf dem die Bewohner von Judentenberg ihr Mahlgut nach Echbeck brachten. An der von der Heiligenbergischen Obrigkeit genehmigten Taverne, dem Taffern-Wirts-Hauß, hielten Kutschen und Frachtwagen, Reisende kehrte ein und die Leute der Umgebung vergnügten sich in der Tanzdiele im Obergeschoss.

Ein Teil der alten Landstraße ist oberhalb der Andelsbachschlucht Im Kahl noch erhalten. Der Hofname Gampenhof leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort gampen her, was „springen, hüpfen” bedeutet. Das könnte sich auf den Bach beziehen, der sich nach Regenfällen durch den Engpass Im Kahl zwängt. Bereits 1465 wurden in einer Urkunde der große und der kleine Gampenweyer beschrieben. Der Hof selbst wurde zum ersten Mal im Urbar (Besitzrechtsverzeichnis) des Klosters Petershausen im Jahr 1570 erwähnt.

Die Zehntscheuer des Fürstlich Fürstenbergischen Amtes Ruschweiler befand sich ebenfalls hier. Sie brannte 1899 ab. Mehrmals stellten die Gampenhofer den Bürgermeister von Ruschweiler. Bis zur Verwaltungsreform 1971 befand sich hier das Rathaus der Gemeinde.

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor am Gampenhof war die Fischzucht. In Toteislöchern und den beiden Weihern wuchsen unter strenger Aufsicht die Fische heran. Sie waren damals eine Luxusware, die teuer verkauft wurde. Die breite Bevölkerung konnte sich keinen Fisch leisten, sie lebte in der Hauptsache von Brot, Hafermus, Hülsenfrüchten, Kraut, Rüben und Obst, selten gab es Fleisch. Mit dem 30jährigen Krieg kam die Blütezeit der Fischzucht zum Erliegen.

Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1871 wurde am Gampenhof eine Friedenslinde gepflanzt. 1957 brannten auch das Wirtshaus und die Doppelscheuer ab. An ihrer Stelle entstand ein Wohn- und Bürohaus.

Quellenangaben:

Text & Redaktion: Christiane Wachsmann
Bildarchiv & Recherchen: Olaf Brandt
Stelen-Gestaltung: Ulrich Dahm-Wachsmann uliform ulm
Grafische Gestaltung: SPIESZDESIGN Neu-Ulm
Historische Aufnahmen: Archiv Illmensee, Aktuelles Foto: Sabine Weinert-Spieß